Gouais-Familie·Nische·Weiß

Gouais Blanc

Ein fast ausgestorbener mittelalterlicher Alltagsweißwein — doch durch Kreuzungen mit Pinot die genetische Mutter von Chardonnay, Gamay, Aligoté, Melon und Dutzenden mehr. Eine der wichtigsten Ahnenrebsorten des Weins.

Farbe
Weiß
Familie
Gouais-Familie
Synonyme
Heunisch Weiss, Weißer He…
Hauptregionen
1
Bedeutung
Nische
Querverweise
1

Über Gouais

Gouais Blanc ist wohl die historisch bedeutendste Rebsorte, die fast niemand trinkt. Einst überall im mittelalterlichen Nordostfrankreich und in Mitteleuropa angebaut, war sie so wüchsig, ertragreich und unscheinbar, dass die Obrigkeit wiederholt versuchte, sie zu verbieten, und heute ist sie aus den Weinbergen so gut wie verschwunden. Ihre Bedeutung ist genetischer statt geschmacklicher Natur: Die DNA-Analyse durch Carole Merediths Team an der UC Davis und Kollegen (veröffentlicht 1999) enthüllte, dass Gouais Blanc, spontan mit Pinot gekreuzt, der Elternteil von mindestens sechzehn nordostfranzösischen Sorten ist — darunter Chardonnay, Gamay, Aligoté, Melon (Muscadet) und Auxerrois — wobei spätere Arbeiten die Nachkommenschaft auf Dutzende weiterer ausdehnten. Weil der bescheidene Gouais der Bauern Seite an Seite mit dem Pinot der Adligen wuchs, kreuzten sich die beiden auf natürliche Weise und legten den Grundstein für einen Großteil der modernen Weinwelt. Als Wein grob und säurebetont, ist sie dennoch die Mutter vieler Rebsorten und ein Eckpfeiler der Rebengenealogie.

Rebsortenprofil

Abstammung
Uralte Gründersorte des mittelalterlichen Europas, unsicheren (möglicherweise kroatischen/mitteleuropäischen) Ursprungs; genetische Elternsorte — zusammen mit Pinot — von Chardonnay, Gamay, Aligoté, Melon (Muscadet) und vielen weiteren nordostfranzösischen Rebsorten (DNA nachgewiesen von Bowers, Meredith et al., 1999)
Hauptregionen
Historisch allgegenwärtig im mittelalterlichen Nordostfrankreich und in Mitteleuropa; heute im Anbau nahezu ausgestorben (winzige Bestände in der Schweiz, Deutschland, Österreich)
Geschmacksprofil
Neutral bis scharf; hohe Säure, hoher Ertrag, wenig aromatische Prägung — historisch als grob und mittelmäßig abgetan
Strukturnotizen
Äußerst wüchsig und ertragreich mit sehr hoher Säure; anspruchslos, aber wenig prestigeträchtig, im Mittelalter wiederholt unerwünscht und verboten
Vinifikationsnotizen
Historisch zu dünnem, säuerlichem Alltagswein verarbeitet; heute nur noch experimentell oder zur Bewahrung des Erbes angebaut

Redaktionelle Anmerkungen

Praktische Hinweise

Heute kaum noch als Wein anzutreffen — ihre Bedeutung liegt in ihrer Rolle als Ahnen-Elternsorte. Suchen Sie sie wegen der Geschichte und Abstammung, nicht wegen des Geschmacks.

Querverweise

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